CBD (Cannabidiol)
Cannabidiol — nicht-psychotroper Phytocannabinoid mit komplexem Multi-Target-Profil; in Deutschland für seltene Epilepsieformen zugelassen (Epidyolex).
Cannabidiol (CBD) ist ein nicht-psychotroper Phytocannabinoid und der zweithäufigste pharmakologisch relevante Wirkstoff aus Cannabis sativa L. Im Gegensatz zu Δ⁹-THC ist CBD kein klassischer CB1-Agonist; es wirkt vielmehr als negativer allosterischer Modulator an CB1, schwacher CB2-Agonist und Antagonist an mehreren orphan G-Protein-gekoppelten Rezeptoren (GPR55).
Belegte therapeutische Wirksamkeit besteht für das Lennox-Gastaut- und Dravet-Syndrom (EU-Zulassung Epidyolex® 2019) sowie für Anfälle bei tuberöser Sklerose. Off-label-Anwendungen (Angst, Schlafstörungen, chronische Schmerzen) sind durch zahlreiche kleine RCTs gestützt, die methodische Qualität ist insgesamt heterogen.
Pharmakokinetisch zeigt CBD eine hohe lipophile Verteilung und eine orale Bioverfügbarkeit von 6–19 %; relevant ist die CYP3A4- und CYP2C19-Inhibition mit klinischen Interaktionen u. a. mit Clobazam, Warfarin und Tacrolimus.
Nebenwirkungen sind im Wesentlichen gastrointestinaler und hepatologischer Art (reversible Transaminasenerhöhung). In Kombination mit THC moduliert CBD dessen psychoaktive Effekte und das Nebenwirkungsspektrum, ein Phänomen, das in der Literatur als "Entourage-Effekt" diskutiert wird (Russo 2017).
ICD-10-Relevanz
- G40.4 (Lennox-Gastaut)
- G40.0 (Dravet-Syndrom)
- Q85.1 (tuberöse Sklerose)
Peer-reviewed Referenzen
Klinischer Kontext
Die Zulassung von Epidyolex® schloss eine wesentliche regulatorische Lücke: CBD ist in dieser Indikation kein Off-Label-Cannabinoid, sondern ein zugelassenes Arzneimittel mit FDA- und EMA-Marktzulassung.
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