Indikationen für medizinisches Cannabis: Wofür wird es verschrieben?
Cannabis ist kein Wundermittel, aber für eine Reihe von Indikationen gibt es solide Evidenz. Hier ein Überblick über die häufigsten Anwendungsbereiche, für die Telemediziner aktuell verschreiben – und für welche eher nicht.
Chronische Schmerzen
Mit Abstand häufigster Verschreibungsgrund. Studienlage: Cannabis kann bei neuropathischen Schmerzen, Tumorschmerzen und einigen muskuloskeletalen Schmerzformen ergänzend wirken. Vorausgesetzt: andere Schmerztherapien (z. B. WHO-Stufenschema) wurden ausgeschöpft.
Häufige Sorten: balanced THC:CBD, hochdosiertes THC bei nächtlichen Schmerzen, CBD-dominante Sorten tagsüber für Funktionserhalt.
ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung)
Wachsendes Verschreibungssegment. Bei adulter ADHS, wo Stimulanzien (Methylphenidat, Lisdexamfetamin) nicht vertragen werden oder nicht wirken, kann Cannabis im Off-Label-Use eine Option sein. Gut belegt sind subjektive Verbesserungen bei Konzentration, Schlaf und innerer Unruhe.
Hinweis: Off-Label heißt: keine Standard-Indikation, keine GKV-Erstattung ohne ausführliche Begründung.
Schlafstörungen & Insomnie
Indica-dominante Sorten oder THC-haltige Öle vor dem Schlafengehen können die Einschlaflatenz senken und die Tiefschlafphasen verlängern. Vorbehalte: REM-Suppression bei höheren THC-Dosen, Toleranzentwicklung bei Daueranwendung.
Multiple Sklerose (Spastik)
Eine der bestbelegten Indikationen. Cannabis-basierte Arzneimittel (z. B. Sativex / Nabiximols) sind hier seit Jahren etabliert. Auch Cannabisblüten werden bei MS-Spastik regelmäßig verschrieben.
Migräne und Cluster-Kopfschmerz
Wachsendes Indikationsgebiet. THC-CBD-Kombinationen können Anfallshäufigkeit reduzieren. Solide Indikation, wenn Triptane und Prophylaktika nicht wirken oder kontraindiziert sind.
Endometriose
Chronische Beckenschmerzen und endometriose-bedingte Krämpfe sprechen oft gut auf CBD-dominante oder balanced-Sorten an. Indikation gewinnt seit 2024 an Bedeutung.
Wofür nicht?
Schwangerschaft, Stillzeit, schwere unbehandelte psychotische Erkrankungen, Suchterkrankungen ohne Stabilisierung, schwere Herzrhythmusstörungen – hier sind seriöse Anbieter zurückhaltend.
Häufige Fragen
Welche Indikationen werden bei Telemedizin am häufigsten genehmigt?
Bekomme ich Cannabis bei Stress und Burnout?
Wie wird die richtige Sorte ausgewählt?
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