Cannabis bei Endometriose
Bei Endometriose reicht die Datenlage für eine Empfehlung zu Medizinalcannabis nicht aus. Die Seite ordnet die Forschung zu Schmerzen, die fehlenden direkten Belege und etablierte gynäkologische Behandlungsoptionen ein.
Diese Seite fasst zusammen, was zu dieser Indikation belegt ist, was offen ist und welche Risiken und Alternativen dazugehören. Sie enthält keine Empfehlung für ein Arzneimittel, keine Produktauswahl und keine Anbieterempfehlung.
Was die Studienlage zeigt — und was offen ist
Was belegt ist
- Cannabisbasierte Arzneimittel wurden in der allgemeinen Schmerzforschung untersucht; diese Ergebnisse sind nicht spezifisch für Endometriose.
Was offen ist
- Die Datenlage reicht für eine Empfehlung bei Endometriose nicht aus.
- Für die Behandlung der Endometriose liegen keine ausreichenden direkten kontrollierten Studien vor.
Verlinkte Studien
- Cannabinoids for Medical Use: A Systematic Review and Meta-analysis
JAMA · 2015
DOI / Originalquelle ↗ - Cannabis-based medicines for chronic neuropathic pain in adults
Cochrane Database of Systematic Reviews · 2018
DOI / Originalquelle ↗
Zulassungsstatus und Stellung in der Therapie
Für Endometriose ist kein zugelassenes cannabisbasiertes Fertigarzneimittel als Standardtherapie ausgewiesen. Medizinalcannabis behandelt weder die Ursache noch ersetzt es die gynäkologische Diagnostik und Therapie.
Risiken, Nebenwirkungen und Gegenanzeigen
Medizinalcannabis ist in Deutschland kein Mittel der ersten Wahl. Es wird in der Regel erst erwogen, wenn etablierte Therapien nicht ausreichend gewirkt haben, nicht vertragen wurden oder nicht in Betracht kommen. Die folgenden Punkte gelten unabhängig von der Indikation:
- Häufige Nebenwirkungen: Schwindel, Müdigkeit, Mundtrockenheit, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Übelkeit, Appetitveränderung.
- Psychische Risiken: THC kann Angst, Unruhe, Verwirrtheit und psychotische Symptome auslösen oder verstärken. Bei bestehenden oder familiär gehäuften psychotischen Erkrankungen gilt eine Behandlung als kontraindiziert. Das Risiko ist bei Menschen unter 25 Jahren erhöht, weil die Hirnentwicklung noch nicht abgeschlossen ist.
- Herz und Kreislauf: Herzfrequenzanstieg und Blutdruckabfall; Vorsicht bei koronarer Herzkrankheit, Herzrhythmusstörungen und nach Herzinfarkt.
- Schwangerschaft und Stillzeit: Gegenanzeige.
- Abhängigkeit und Toleranz: Bei längerer Anwendung sind Toleranzentwicklung und Entzugssymptome nach Absetzen möglich.
- Wechselwirkungen: THC und CBD werden über CYP3A4 und CYP2C9 verstoffwechselt; Wechselwirkungen mit Sedativa, Antidepressiva, Antikoagulanzien und Antiepileptika sind möglich. Die vollständige Medikationsliste gehört in jedes Erstgespräch.
- Fahrtüchtigkeit: THC beeinträchtigt Reaktionsvermögen und Fahrsicherheit. Für Patient:innen mit ärztlicher Verordnung greift die Ausnahme des § 24a Abs. 2 Satz 3 StVG, solange die Einnahme bestimmungsgemäß erfolgt; die Beurteilung der Fahrsicherheit im Einzelfall bleibt in der eigenen Verantwortung und sollte ärztlich besprochen werden.
Diese Aufzählung ist keine vollständige Fach- oder Gebrauchsinformation und ersetzt kein ärztliches Gespräch.
Indikationsspezifische Risiken
- Bei chronischen Beckenschmerzen können Sedierung und Konzentrationsstörungen die Teilnahme am Alltag zusätzlich erschweren.
- Eine Behandlung darf die Abklärung von Blutungen, akuten Schmerzen oder anderen gynäkologischen Ursachen nicht verzögern.
Etablierte Therapiealternativen
Kostenübernahme durch die Krankenkasse
Die gesetzliche Krankenversicherung kann die Kosten nach § 31 Abs. 6 SGB V übernehmen. Voraussetzung ist ein Antrag der behandelnden Ärztin oder des behandelnden Arztes vor Behandlungsbeginn; die Krankenkasse entscheidet im Einzelfall. Ohne Genehmigung tragen Patient:innen die Kosten selbst.
Rechtlicher Rahmen
Cannabis zu medizinischen Zwecken ist nach § 3 Abs. 1 des Medizinal-Cannabisgesetzes (MedCanG) ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel und darf ausschließlich von Ärztinnen und Ärzten verordnet werden. Cannabisblüten sind kein zugelassenes Fertigarzneimittel; die Verordnung erfolgt als Rezepturarzneimittel auf Grundlage der ärztlichen Therapieentscheidung. Ob im Einzelfall eine Behandlung mit Cannabis infrage kommt, entscheidet ausschließlich die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt nach Anamnese, Diagnose und Abwägung der Alternativen. Die Angaben auf dieser Seite sind allgemeine Information, keine Behandlungsempfehlung und keine Aufforderung, eine bestimmte Verordnung zu verlangen.
Häufige Fragen
Behandelt Cannabis die Endometriose selbst? +
Wie belastbar ist die Forschung zu Endometriose? +
Quellen und Datenstand
- Whiting et al., Cannabinoids for Medical Use: A Systematic Review and Meta-analysis — JAMA (2015) ↗ · Abruf: 2026-09-06
- Mücke et al., Cannabis-based medicines for chronic neuropathic pain in adults — Cochrane Database of Systematic Reviews (2018) ↗ · Abruf: 2026-09-06
- G-BA — Richtlinie zur Verordnung von Cannabis nach § 31 Absatz 6 SGB V ↗ · Abruf: 2026-09-06
- BfArM — Arzneimittelinformationen ↗ · Abruf: 2026-09-06
- Gesetze im Internet — MedCanG § 3 ↗ · Abruf: 2026-09-06
Cannabis bei Endometriose: Schmerzlinderung als Studienoption
Medizinisches Cannabis bei Endometriose und chronischen Beckenschmerzen: aktuelle Studien, ergänzende Therapie und ärztliche Praxis – ohne Heilversprechen.